Das XIX. Capitel. Sackpfeiffen
(in Sciagraph. Col.V.XI.XIII.)
Der Sackpfeiffen (Latinis Tibia Utricularis. Italis Corna Musa) seynd mancherley
Arten.
1. Bock/ welcher nur ein groß lang Horn zum Stimmer/ und die tieffe
C hat. Etliche sind noch umb eine Quart tieffer in G G' und billich der große
Bock genannt werden.
2. Schaperpfeiff. hat 2 Röhren zum stimmen/ b f'. Und sind die Schaper/
oder Schäfferpfeiffen in den obern Löchern meiste theils falsch;
welchs meins erachtens/ daher kömt/ dieweil sie hinten kein Loch zum
Daumen haben. Die andern aber/ als Bock/ Hümmelchen/ Dudey/ haben hinden
ein Loch/ dadurch sie besser gezwungen/ und zu reiner intonation gebracht
werden können.
3. Hümmelchen. Hat auch nur zween Stimmer/ f' c'.
4. Dudey/ aber hat drey Röhrlein zum Stimmen des' b' des''.
Im Ertzstifft Magdeburg hab ich eine sonderliche Art von Sackpfeiffen gesehen/
welche etwas grösser/ als die Schäfferpfeiffen/ und umb eine Tertien
tieffer seyn/ haben eben auch zwey Stimmer/ unten aber zwey Röhren/ eine
zur lincken/ die ander zur rechten Hand/ und an jeder Röhren fornen drey/
hinten ein Loch zum Daumen/ also/ daß man mit der lincken Hand das g
a' h' c' d'/ mit der rechten aber d' e' f' g' a' haben/ und also ein Duum
oder Bicinium gar artig zuwege bringen kan. Dessen Abriß in Sciagr.Col.V.
zu finden.
Noch hat man aus Franckreich eine kleine Sackpfeiff oder Hümmelchen herausgebracht/
(Col XIII) do man den Wind durch ein kleines Blasebälglin/ allein mit
dem Arm hineinbringen und regieren kann. Auch hat einer/ dessen forn im 5.Cap.
gedacht worden/ den Sachen soweit nachgesonnen/ daß er ein gantz Stimmwerck
von fünff solchen Sackpfeiffen/ welche mit Blasebälgen regieret
werden/ verfertiget. Daruff man einen Gesang mit 4. oder 5. Stimmen zu wege
bringen wollen. Aber solche Harmony laß ich mir nicht so gar sonderlich
sehr wol gefallen.
Der eben zitierte Text als Faksimile.
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