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THEMA: Tonleiter Hameln

Tonleiter Hameln 5 Jahre 10 Monate her #1

  • pfeife333
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Hallo liebes Forum,
ich habe eine Anfängerfrage: Im Codex Verus steht Hameln mit "d-Bordun". Dementsprechend sollte das Lied in d-moll stehen. Allerdings steht da gar kein b nach dem Violinschlüssel und laut Wikipedia steht in der harmonischen d-moll Tonleiter ein b und eben kein h.
Kann mir das jemand aufklären?
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Re: Tonleiter Hameln 5 Jahre 10 Monate her #2

  • Rovadorion
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Willkommen in der Welt der Kirchentonarten.

Im Mittelalter hat man, ganz vereinfacht gesagt, noch nicht primär in Dur und Moll Musik gemacht, sondern andere Tonleitern verwendet, bei denen die Halbtonschritte stellenweise etwas anders liegen. In Anlehnung an ihre Verwendung im gregorianischen Gesang nennt man diese Tonleitern Kirchentonarten oder auch modale Tonleitern.

Das ist aber an sich ganz simpel. Stell dir ein Klavier vor und ignorier die schwarzen Tasten. Wenn du jetzt beim C beginnst und acht Töne nach oben spielst, bis du wieder beim C landest, hast du die bekannte Durtonleiter gespielt. Beginnst du aber beim D, wieder nur mit weißen Tasten, kommt etwas raus, was ein bißchen wie Moll klingt. Das ist der sogenannte "dorische Modus", eine Kirchentonart, die im wesentlichen Moll mit erhöhter sechster Stufe (h statt b) ist. In diesem Modus spielen sich nahezu alle Codex-Verus-Stücke ab, die nicht in Moll stehen. und er ist die Tonleiter des Marktsacks. Dorisch hat, weil es ja auf der zweiten Stufe der Durtonleiter aufbaut, immer die gleichen Vorzeichen wie die Durtonleiter auf dem Ton darunter (deswegen auch manchmal die Bezeichnung der Marktsäcke als G/a), also hat D-Dorisch keine Vorzeichen, A-Dorisch ein Kreuz, E-Dorisch zwei... usw.).

Spielst du von E zu E, bekommst du den nächsten Modus (Phrygisch - das ist Moll mit erniedrigter zweiter Stufe), von F zu F Lydisch (Dur mit erhöhter vierter Stufe), von G zu G Mixolydisch (Dur mit erniedrigter siebter Stufe, das ist die Tonleiter der schottischen GHB), von A zu A die bekannte Molltonleiter und von H zu H Lokrisch (Moll mit erniedrigter zweiter und fünfter Stufe), ein ziemlich seltsamer Modus.

Wikipedia (Artikel "Kirchentonart" weiß dazu noch mehr. Im Wesentlichen nimmst du dir Dur oder Moll und veränderst ein Vorzeichen, dann hast du eine Modaltonleiter. Die lassen sich auch bequem in andere Tonarten transponieren; Marktsäcke spielen zB A-Dorisch, was A-Moll (keine Vorzeichen) mit einem Kreuz ist (Fis statt F). GHBs spielen (theoretisch) A-Mixolydisch, was A-Dur (drei Kreuze) mit einem Kreuz weniger ist (G statt Gis).

Hoffe, das hilft was.
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Re: Tonleiter Hameln 5 Jahre 10 Monate her #3

  • pfeife333
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Hallo, ja hilft sehr. Meine Schlussfolgerung von d-Bordun auf d-moll war also einfach falsch. Vielen Dank für die Aufklärung!
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