Willkommen, Gast
Benutzername: Passwort: Angemeldet bleiben:

THEMA: Dudelsack lernen im fortgeschrittenen Alter

Dudelsack lernen im fortgeschrittenen Alter 3 Jahre 7 Monate her #1

  • alter Sack
  • alter Sacks Avatar
  • Offline
  • Pfeifenputzer
  • Beiträge: 26
  • Dank erhalten: 3
Tach erst mal an die älteren Erstsemester :P

Wie ich ja schon hier schrob, hab ich mich jetzt erst mit 50 Lenzen aufraffen können mit dem langgehegten Wunsch Dudelsack zu spielen loszulegen.
Ich schreib das hier, weil ich mich vorab im Netz erst mal über das Instrument und dessen Bedienung kundig gemacht habe und mir mühsam aus allen verschiedenen Richtungen die Informationsbrocken zusammengeklaubt hab. Zusammen mit meinen eigenen Erfahrungen versuche ich mal eine Zusammenfassung, auch als "Erinnerung" für mich wie alles mal angefangen hat. (Ich bin selber Admin in `nem Motorradforum, deswegen mag ich vollständige Vitas... B) )

Fange ich also mal von vorne an - am besten noch davor...
Als denn, meine letzten Berührungen mit Musik in "Echtzeit" liegen nun mittlerweile weit über 30 Jahre hinter mir, damals bis zur Pubertät (dann ändern sich die Prioritäten :lol: ) im Jugendchor gesungen, nie Noten gelernt, dann die Sturm- und Drangphase mit Ausbildung, Punk und unlöblicher Hartfelsenmusik verbracht - um nachfolgend kwasy dann musiklos Familie zu gründen, Schädlinge aufzuziehen, sich also ganz in der Malochertretmühle zu verlieren. Als Handwerker biste ja nach Feierabend nich mehr frisch, so geht die Zeit in`s Land...


Genug gebabbelt, fang ich mal an, und bitte: Ich bin jetzt seit (erst) gut zwei Monaten täglich stramm dabei, das Geschreibsel hier ist tatsächlich nur mein Erfahrungsschatz:

Dudelsack spielen ist nicht einfach und erfordert neben Koordination auch Muskelaufbau, der in jungen Jahren einfach schneller geht als im Alter. Warum? Ganz einfach: Normalerweise "trainiert" man seine Armmuskeln auf`s Heben und Tragen - niemand käme auf den Gedanken eine Last unter den Arm zu klemmen...
Daher müssen sich die Muskeln, die für das kräftige und ausdauernde herunterdrücken des Oberarms verantwortlich sind erst mal bilden, und das geht nicht von gleich auf jetzt. Momentan hab ich Muskelkater an ganz seltsamen Stellen, da wuste ich bis jetzt noch gar nicht dass ich da Stellen hab - aber das ist gut so, ein leichter Muskelkater ist Anzeiger für gesundes Muskelwachstum.

Es gibt da sehr viele verschiedene Herangehensweisen und Empfehlungen, der eine sagt Bordunen zu und nur mit der Spielpfeife üben, der nächste sagt ein paar Wochen nur ein Bordun laufen lassen ohne mit der Spielpfeife zu arbeiten bis sich der Ton über mehrere Atemzyklen nicht verändert - völlig wurscht, wie mir dünkt, findet die angenehmste Vorgehensweise für euch selbst heraus - aber lasst es für euch möglichst niemals langweilig werden.
Wie gesagt, es müssen sich erst mal überhaupt die Muskeln bilden um einen über längere Zeit sauberen Ton zu halten. Die habt ihr anfangs schlicht und ergreifend noch nicht - also nicht übertreiben, lieber nur ein paar Minuen am Tag, dafür täglich , die Übungsdauer je nach Befindlichkeit langsam steigern, besser mehrmals am Tag kurze Zeit.
So lange man da nämlich keine Muckis hat neigt man als Anfänger dazu das Teil "über Lunge" zu spielen, geht zwar, ist aber nicht Sinn der Geschichte, ausserdem wird`s mit`m abendlichen Küssen eher mau... :unsure:
Dabei auch höchstens (so ihr ein mehrborduniges Instrument habt) nur einen Bordun laufen lassen, auch mir fehlt zur Zeit noch die Armkraft für den zweiten, wenn als Liedgut nämlich nur die "sterbende Ente im Park" bei rauskommt macht`s auch keinen Spass ;)
Also: Ein Muskelkater ist gut, ein Krampf mit Schmerzen kontraproduktiv.

Über die richtige Blas- und Ärmchenhebe- und -drücktechnik lass ich mich jetzt nicht aus, steht in jedem Lehrbuch und bekommt man auf jedem Lehrgang erzählt ;)

Zum Instrument:
Hier unbedingt auf die (spieltechnisch gesehen) "alten Hasen" hören.
Werdet euch klar: Was wollt ihr spielen? Ein Geländewagen ist für die Rennstrecke scheisse, ein Rennwagen für´s Gelände umgekehrt genauso. Hinkt zwar etwas, der Vergleich, aber so schaut`s nun mal aus.

In meinem Falle wollte ich als Primärziel Volks- und Tanzmusik spielen, unterwegs mein "Liedchen trällern", also nicht mit `ner lauten Markthupe einen auf dicke Hose machen oder mit `ner quäkigen GHB den Putz von den Wänden schaben...:lol: (ist total unfair, ich weiss, aber sowas von... :blush: )
Meine Wahl ist deshalb auf Hümmelchen (für daheim in der Mietswohnung) und Schäferpfeife (wenn die Nachbarn weg sind und für`s Freiland) gefallen - in halbgeschlossener Griffweise.

Gut. Hier jetzt zu sparen und sich ein unbekanntes Teil aus der Bucht zu fischen taucht nix, aus fogenden Gründen:
- Das ist ein Musikinstrument (echt!) und bedarf einer regelmässigen Wartung.
- daher solltet ihr wissen wer das Teil gebaut hat - und es auch tatsächlich warten wird. Da selber dran rumzufummeln und mit irgendeinem dubiosen selbstgemixten Schlangenöl dran rumzukaspern gibt meist einen Schuss in den Ofen.
- Nur Dekoartikel sind billig, der Preis für ein gutes - auch gebrauchtes - Musikinstrument tut immer weh. Isso :huh: Merke: Ein guter Dudelsackbauer ist keine wandelnde Sozialstation...
- Habt ihr ein Gebrauchtteil erstanden zuerst zur Wartung geben - nur dann habt ihr die Gewissheit, dass beim Üben der Fehler nicht am Dudelsack liegt.
Ist aber in den Foren schon x-fach durchgekaut.

Sprechen wir doch mal über Geld:
Jedes Hobby kostet. Ob ich mir neue Alufelgereien für den Bürgerpanzer hole, die Modelleisenbahn erweitere, die Hütte tapeziere oder ein neues Aquarium anschaffe, geschenkt gibt`s in der Regel nix.
Ich hatte mir ein Budget vom Preis eines (sehr) guten Fahrrades gesteckt (gut, der ein- oder andere muss das erst seiner Familie vom Munde absparen, ich hatte das gerade flüssig), sind ja Investitionen für die "Ewigkeit".
Was hab ich mir davon geleistet:
- Einen Wochenendlehrgang, "Hümelchen für Anfänger"
- Eine Deger Pipe II+, die kann halbgeschlossen (Top Dudelsackrollator für Pfeifen im angehenden Greisenalter :P )
- Ein Rosshümmelchen, durch Zufall echt preiswert aus der Bucht geschossen, hab´s warten und mit halbgeschlossener Spielpfeife versehen lassen
- Lehrbücher (Boulanger) und Tonträger, damit man weiss was so möglich und machbar ist für Ideen etc.
- einen zweiten Wochenendlehrgang (demnächst).

Wie sieht meine Überei aus?
Im Lehrgang hab ich ja das "Fundament" bekommen, jetzt nur dabeibleiben.
Täglich die Koordination am "lebenden Objekt" üben, nicht übertreiben, braucht seine Zeit. Einfach annehmen das es so ist.
Daher hab ich mir auch die Deger Pipe geleistet, entkoppelt hervorragend die "Ganzkörperkoordination" von den Fingerübungen, die ja auf Dauer gesehen die längste Übungszeit erfordern.
Ich halte mich da an`s Boulangerlehrbuch und lerne auch dabei Notenlesen - allerdings kann ich einprägsame Melodien viel einfacher aus dem Kopf spielen als vom Blatt.

Das schöne an dem Degerteil: Ich brauche mir nicht fest vorzunehmen zu üben, greife mir einfach mal eben das Teil und fingere los, hervorragend z.b. vor der Glotze (wenn nicht grad Hintergrundmusik läuft) - einen Knopf in´s Ohr, auf leise gestellt und man kann sich auf anderes konzentrieren (übt das Multitasking) - hört aber gleichzeitig was die Finger so treiben. Das ist ideal um Lieder nicht "mechanisch" zu spielen sondern um tatsächlich die Töne zu finden und dabei den entsprechenden Ton einem Griff zuzuweisen. Tut mir leid, umständlicher kann ich`s nicht erklären, aber für mich als blutiger Anfänger ist das Teil Gold wert - auf der Deger kann ich schon etliche Stücke recht flüssig, hätte nie gedacht so schnell und ohne Vorkenntnisse tatsächlich in kürzester Zeit komplette Lieder auf die Reihe zu bekommen - und auch wenn mir eine neue Melodie einfällt hab ich die zackig gespielt - mit dem Dudelsack selbst bin ich noch lange nicht soweit, weiss aber wenn ich erst mal die Koordination drin hab geht´s mit den Melodien (garantiert) hervorragend weiter...

Anfangen, eigene Linie finden, dranbleiben, nicht verwirren lassen, Spass an der Sache behalten, kleine Ziele stecken.

Bis zum bitteren Ende ist noch was Zeit :sick:

Gruss vom alten Sack, der sich mal erdreistet als Totalanfänger gleich im Forum den dicken Willhelm zu markieren ... und halte euch (so gewünscht) mit den Fortschritten auf dem Laufenden ;)
Der Administrator hat öffentliche Schreibrechte deaktiviert.

Aw: Dudelsack lernen im fortgeschrittenen Alter 3 Jahre 7 Monate her #2

  • mick
  • micks Avatar
  • Offline
  • Dudelsacklegende
  • Beiträge: 390
  • Dank erhalten: 18
Glückwunsch - Du hast alles so richtig gemacht, wie man es nur richtig machen kann!
Ich bin sehr zuversichtlich, dass Du nach der nötigen Zeit, die es nun mal braucht, ein richtig guter Dudelsackspieler werden kannst - weder jagst Du irgendwelchen Illusionen hinterher, noch hast Du völlig verfehlte Vorstellungen von Instrument, Musik und Lernprozess.
Bleib weiter mit beiden Füßen auf dem Boden, dann wird das.
Gruß von einem noch älteren Sack :cheer:
Letzte Änderung: 3 Jahre 7 Monate her von mick.
Der Administrator hat öffentliche Schreibrechte deaktiviert.

Aw: Dudelsack lernen im fortgeschrittenen Alter 3 Jahre 7 Monate her #3

  • subi
  • subis Avatar
  • Offline
  • Expertendudler
  • Beiträge: 83
  • Dank erhalten: 13
Wow, das liest sich ja wie viele Anfängerthreadfragen in einer hübschen langen Geschichte zusammengepackt.

Mein Start war nicht ganz so Fehlerfrei. Aber dafür ist in meiner Geschichte das Wort Lehrer verankert. Vielleicht hast du auch noch die Möglichkeit einen solchen in deiner Umgebung zu finden?

So wie sich dein Beitrag liest wird das aber ganz sicher was. :)
Der Administrator hat öffentliche Schreibrechte deaktiviert.

Aw: Dudelsack lernen im fortgeschrittenen Alter 3 Jahre 7 Monate her #4

  • alter Sack
  • alter Sacks Avatar
  • Offline
  • Pfeifenputzer
  • Beiträge: 26
  • Dank erhalten: 3
Gut, das mit dem Lehrer schwirrte mir auch im Kopf rum - allerdings ist hier in meiner Gegend diesbezügluch Diaspora.

Möchte ich auch als sehr individuell ansehen: Schon der Lehrgang hat mir aufgezeigt, wo meine Grenzen liegen. Ich hab mal kurz `ne GHB unterm Arm gehabt, witzlos...selbst beim Hümmel hab ich noch das Gefühl mit dem Druck des Oberarms `ne Kokosnuss knacken zu müssen, von der Wega "braucht wenig Druck"... :dry:
Für einen ungeübten Anfänger sind solche Aussagen eher irreführend - da wird schlicht und ergreifend für einen sauberen und langanhaltenden Ton Armschmalz für gebraucht, dem "Profi" wird das tatsächlich wenig vorkommen, `nem Neuling hingegen lässt das erst mal die Muskeln zittern.

Daher lasse ich mir in Punkto Lehrer erst mal Zeit; Noch kämpfe ich mit dem Objekt daselbst. Deswegen halte ich mich auch an das Boulangerlehrbuch und beherzige da die Mahnungen: Fundament schaffen, Ton halten, saubere Töne ohne Nebengeräusche produzieren. Da brauch ich (mit Verlaub) erst mal keinen Lehrer für, das ist schiere Fleissarbeit die sich über Wochen, vielleicht sogar Monate hinzieht.

Aber versprochen: Wenn ich das Gefühl habe der Zeitpunkt ist erreicht, ich plage mich nicht mehr beim Druckhalten, treffe die Töne die ich will, wechsele jene ohne unbeabsichtigte Nebengeräusche, dann ist auch die Zeit gekommen die Verzierungen etc einzuüben, und dann bin ich auch in der Lage dem Lehrstoff zu folgen ohne mit der Tücke des Objekts zu kämpfen, sprich, dann erscheint mir das in höchstem Grade sinnvoll.

Noch ein Tipp für den Anfänger: Ich hab mir ein sogenanntes Theraband besorgt, also dieses Gummiband für gymnastische Übungen. Das an die Klinke `ner Tür gehängt und ein paarmal täglich Zugübungen mit dem Oberarm machen. Ich hab das Gefühl dass das sehr hilfreich ist ;) - vor allem weil ich ja auch demnächst meine balggeblasene Schäferpfeife von der Wartung bekomme, da muss ich den "Balgarm" ja auch erst mal für trainieren.. :P

Gruss
Der Administrator hat öffentliche Schreibrechte deaktiviert.

Aw: Dudelsack lernen im fortgeschrittenen Alter 3 Jahre 7 Monate her #5

  • AlexR
  • AlexRs Avatar
  • Offline
  • Neuling
  • Beiträge: 14
Hallo "alter Sack",

ich hab Dir ja im anderen Thread ja schon zu Deiner Vorgehensweise gratuliert.

Ich Denke dieser schöne Erfahrunsgbericht gehört eigentlich FETT hervorgehoben auf die Startseite jeder Dudelsackseite, damit Anfänger oder auch diejenigen die Dudelsack lernen wollen, einen realen Erfahrungsbericht bekommen und sich nicht alles irgendwo in irgendwelchen Foren aus tausenden Threads zusammensuchen müssen.

Wenn Du nichts dagegen hast und Stephan das machen würde, wäre das Top. Viele von uns wären froh, wenn sie es genau so gemacht hätten und nicht viel Lehrgeld bezahlt hätten.

Eigentlich wäre das etwas für eine Seite mit Namen "ich will Dudelsack spielen lernen, was sollte und muss ich wissen?" (ich glaub die sollte ich gleich mal ins leben rufen, wer würde Mithelfen?)

Gruß

Alex
Der Administrator hat öffentliche Schreibrechte deaktiviert.

Aw: Dudelsack lernen im fortgeschrittenen Alter 3 Jahre 7 Monate her #6

  • subi
  • subis Avatar
  • Offline
  • Expertendudler
  • Beiträge: 83
  • Dank erhalten: 13
Auch wenn es dem Anfänger bei den ersten Schritten schier unmöglich scheint den Balg richtig "geblasen" zu bekommen liegt das beim Hümmelchen oder der Schäferpfeife am wenigsten an fehlendem Muskelaufbau. Diese Instrumente brauchen idR wirklich wenig Druck. Anfangs scheitert es eher an der Koordination. Reinblasen, ausgleichen und eventuell ein einfaches Liedchen trällern.
Man bläßt als Anfänger meist gegen den Armdruck, dadurch wird es anstrengender als es wirklich ist und Muskeln im Arm sowie in den Lippen ermüden unglaublich schnell.

Je nach individuum geht der Lernprozess da schneller oder langsamer. Bei mir hats glaube ich 2 oder 3 Monate gedauert bis mein Hirn alles gut Automatisiert hat. Das "Spielen" fehlte da quasi noch gänzlich.

Das wichtigste ist es Durchzuhalten.

Und beim Blasebalg geht es dann von vorne los. ;)
Wenn der linke Arm bereits Druck halten kann geht es einfacher. Aber trotzdem hat das Blasebalgspielen bei mir auch wieder 2 oder 3 Monate gedauert bis es ging.

Gestern Abend hatte ich Unterricht. Alles eingepackt und hingefahren.
Beim auspacken und zusammenbauen viel mir dann aber auf dass ich das Verbindungsstück zum Blasebalg vergessen hatte. Der Steckte noch auf der NSP die ich diesesmal nicht mithatte. :(
Da ists dann gut wenn man beides gelernt hat, denn ein Mundstück liegt immer im Koffer. ;)
Der Administrator hat öffentliche Schreibrechte deaktiviert.
Ladezeit der Seite: 0.640 Sekunden