Cornemuse Consort Coelln: Schnappschlag

Die zweite Publikation von Deutschlands einzigartigem Dudelsack-Orchester


Wenn Ihnen morgens in der S-Bahn eine Person gegenübersitzt, die einen Bleistift wie eine Blockflöte hält, linke Hand oben, rechte unten, dann ruckartig zunächst den linken Zeigefinger vom Holz weg und wieder zurück schnappen lässt, direkt anschließend mit dem Ringfinger einen schnellen Schlag ausführt - dann ist dieser Mensch wahrscheinlich ein Dudelsackspieler, der den "Schnappschlag" übt. Nie gehört, das Wort? Dann sollten Sie vielleicht das Cornemuse Consort Coelln erleben, Deutschland einzigartiges Dudelsack-Orchester.

Mittelalterliche Musik ist für Dudelsäcke geradezu prädestiniert: Zeitgenossen erwähnen, dass das Instrument sogar anstelle der Orgel zur Messe gespielt wurde. Später stieg die Sackpfeife aus himmlischen Gefilden in höllische Grüfte herab; wurde zum Instrument von Bettlern und Vagabunden. "Spielleut und Lumpen wachsen auf einem Stumpen", sagte ein Sprichwort.

Die Mitglieder des Cornemuse Consort Coelln sind allerdings durchaus ehrbare Bürgersleute, deren gemeinsame Leidenschaft dem lange vergessenen, heute wieder hoffähigen Instrument gilt. Die ungewöhnliche Besetzung mit dreizehn Dudelsäcken - hier und da ergänzt um Bass, Perkussion oder Drehleier - eröffnet ein weites musikalisches Spektrum. Archaische Klangbilder und groovende Rhythmen, französische Walzer, romantische Volkslieder, schräge Ton-Experimente - das Cornemuse Consort Coelln präsentiert unterschiedlichste Facetten der Dudelsackmusik.

Tom Daun

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