Renaissance-Sackpfeife in G

Die folgende Bauanleitung stammt von dem englischen Instrumentenbauer Jonathan Swayne. Es handelt sich um seine englische Renaissance-Sackpfeife in G mit zwei Bordunpfeifen, deren Produktion er eingestellt hat. Als Präsident der Bagpipe Society hat er die zugehörigen Pläne dankenswerterweise der Allgemeinheit zur Verfügung gestellt, und da ich immer wieder Anfragen nach Bauplänen erhalte, glaube ich, damit vielen begeisterten Hobbysackpfeifenmachern einen Dienst zu erweisen.

Der Plan besteht aus acht Einzelblättern, die ich im GIF-Format bereitstelle. Die Bilder sind zwischen 17 und 26 KB groß.

Blatt 1: Spielpfeife Blatt 2: Innenbohrung
Blatt 3: Baßbordun Blatt 4: Tenorbordun
Blatt 5: Bordunstock Blatt 6: Blaspfeife
Blatt 7: Schnittmuster Blatt 8: Lederbalg

Jon Swayne hat ferner die Herstellung der Rohrblätter für seine Renaissance Bagpipe genau beschrieben. Wegen des Umfangs der Beschreibung hat sie eine eigene Seite erhalten: Beschreibung des Rohrblattbaus

Anmerkungen von Jon Swayne

1. Materialien

Feinjähriges Ahornholz ist für alle Holzteile absolut zufriedenstellend, vorausgesetzt, es wird sauber poliert und geölt. Obsthölzer, vor allem Pflaume, sind noch besser. Wenn Apfel verwendet wird, müssen die Bohrungen mit einem wasserfesten Lack versiegelt werden, weil sie sonst nach einiger Zeit sehr rauh werden.
Zieringe werden vorzugsweise aus Horn gemacht.
Sie dienen auch dazu, die Enden der Pfeifen vor dem Absplittern zu schützen. Man muß eine Anzahl von Scheiben mit den angegebenen Dicken und Durchmessern vorbereiten und so durchbohren, daß der gedrechselte Zapfen am entsprechenden Holzteil hindurchpaßt. Die Ringe verkomplizieren die Konstruktion der Schalltrichter von Spiel- und Bordunpfeife, weil diese Teile separat gedrechselt werden müssen, damit die Zierringe angebracht werden können. Stattdessen können diese Teile aber auch aus einem Stück gemacht, und die Ringe aus dem Holz herausgedreht werden. Das kann man natürlich auch mit allen Zierringen so machen. Weitere Details zu den Hornringen folgen weiter unten.

2. Drechselarbeiten

Alle Maßangaben sind in Millimetern. Grundsätzlich wurden nur die wichtigsten Maße angegeben. Das Abmessen aufgrund der Zeichnung ist für lange gedrechselte Teile nicht unbedingt die geeignete Methode, und bei Holzblasinstrumenten sind sehr häufig bestimmte Schlüsselpunkte wichtig. Daher werden Längenangaben grundsätzlich auf Maßstäben unter der Zeichnung angegeben, und Durchmesser sind in ähnlicher Weise oberhalb der Teile zu finden. Verzierungen sind andererseits am besten als generelle Muster anzugeben. Gewisse Verzierungen sind in den Zeichnungen zwar eingetragen, aber nicht bemaßt. Wo sich Objekte wiederholen, wie z.B. die Einbindungsnuten der Stöcke, sind die Details nur einmal ausgeführt. Die Innenbohrung der Schalltrichter erfolgt von Hand und folgt der äußeren Gestalt.

3. Spielpfeife

Der obere Teil wird stufenförmig ausgebohrt entsprechend den Maßen auf Blatt 2, wobei man nicht vergessen darf, die Länge des Schalltrichters ohne Zapfloch (also 109mm) abzuziehen. Auf das untere Ende wird der Zapfen gedreht. Der Schalltrichter erhält eine 12mm-Bohrung, die ein wenig Holz für das Ausreiben stehen läßt. Von oben erfolgt die Gegenbohrung, die den Zapfen aufnimmt. Dann kann der Zierring aufgepaßt werden. Die beiden Teile werden zusammengeleimt, wobei auf parallele Maserung zu achten ist. Dann reibt man die Innenbohrung aus und dreht das Innere des Schalltrichters bis 90mm Tiefe mit einem sanften Übergang in den ausgeriebenen Teil aus. Anschließend drechselt man die Außenform.

4. Verbindung des Baßborduntrichters

In ähnlicher Weise wie bei der Spielpfeife verfahren. Hier ist die Länge des Zapfens/Zapflochs 340-270=70, und der Durchmesser 16mm. Nach dem Verleimen dreht man die Innenseite des Trichters, so daß sie mit dem Außendurchmesser zusammentrifft.

5. Verbindung des Tenorborduntrichters

Wie beim Baß. Die Maße sind 260-175=55 und 13mm.

6. Bordunstock

Es ist nicht unbedint nötig, die Rückseite des Stocks wie auf der Zeichnung auszubohren, aber es macht ihn leichter und verbessert meiner Ansicht nach den Klang. Man fertigt zunächst einen rohen Zylinder mit ca. 70mm Durchmesser. Von hinten wird ein 40mm-Loch 75mm tief gebohrt. Die Äußere erhält die Gestalt wie bei 'View on A' gezeigt. Die Oberseite wird bis zum angegebenen Winkel abgeschrägt. Dann kann man die Zapflöcher für die Bordunpfeifen anreißen und bohren.

7. Der Sack

Polsterleder mit einer Stärke von 1,2 bis 1,5mm ist geeignet. Die Größe der Halsöffnung und der Durchmesser des Spielpfeifenstocks sind so gewählt, daß der Sack gewendet werden kann. Ist der Durchmesser der Halsöffnung kleiner als 45mm, kann man den Sack nicht mehr durch den Hals hindurchziehen.

Steffen Fischer hat so ein Instrument gebaut und mir freundlicherweise ein Foto davon zur Verfügung gestellt:

Renaissance-Sackpfeife nach Jon Swayne, gebaut von Steffen Fischer